„Zwischen Nietenjacke und Bass: Warum Subkultur für mich politisch ist.“

Wahlfamilie und Bassfrequenzen: Meine Wurzeln in Punk, Post-Punk und Techno

Wer mich und meine Arbeit verstehen will, muss einen Blick auf die Orte werfen, die mich abseits von Universitätsarchiven und politischen Gremien am tiefsten geprägt haben: die Subkulturen. Seit vielen Jahren bin ich tief und fest in der Punk-, Post-Punk- und Techno-Szene verwurzelt. Diese Räume sind für mich kein reiner Zeitvertreib oder bloße Wochenendunterhaltung. Sie sind historische Lernorte, politische Schutzräume und emotionale Kraftquellen zugleich.

Meine Sozialisation begann in den DIY-Strukturen des Punk und Post-Punk. Von der unbändigen, wütenden Energie dieser Szenen habe ich gelernt, den Status quo niemals unhinterfragt hinzunehmen. Punk bedeutet für mich bis heute: Haltung zeigen, Räume selbst besetzen, Dinge selber machen (DIY) und eine kompromisslose Antihaltung gegenüber Konformismus und patriarchalen Machtstrukturen einzunehmen. Die Ästhetik, die Musik und die politische Wachsamkeit des Post-Punk ziehen sich wie ein roter Faden durch mein gesamtes Leben – und spiegeln sich nicht zuletzt auch in meiner äußeren Erscheinung wider.

Gleichzeitig habe ich in der Techno-Subkultur eine ganz fundamentale Ergänzung und Erweiterung dieser Rebellion gefunden. Techno – in seiner ursprünglichen, nicht-kommerziellen Form – ist für mich gelebte Utopie auf Zeit. Der Dancefloor ist weit mehr als nur ein Ort zum Tanzen; er ist ein radikaler Schutzraum (Safe Space).

Besonders als Transfrau bedeutet mir diese Kultur unendlich viel. In den Nächten, im Nebel und im dumpfen Takt der Bässe erfahre ich eine Freiheit, die im starren Alltag oft hart erkämpft werden muss. Hier kann ich mein Queersein absolut grenzenlos, selbstbestimmt und sicher ausleben. Auf der Tanzfläche lösen sich gesellschaftliche Zuschreibungen, Blicke und Erwartungsdrücke auf. Es entsteht eine Gemeinschaft der Akzeptanz, in der Vielfalt die Norm und nicht die Ausnahme ist. Diese clubkulturellen Räume bieten uns als queeren Menschen die Möglichkeit, Kraft zu tanken, uns zu vernetzen und kollektive Euphorie als Form des Widerstands zu zelebrieren.

Ob die rohe Gitarre im verrauchten Keller oder der hypnotische Synthesizer im Club: Beide Welten eint der Drang nach Freiheit, Selbstbestimmung und der bedingungslose Rückhalt einer solidarischen Community. Sie haben meinen Blick geschärft – für die Kunst, für die Politik und für das unschätzbare Gut von Räumen, in denen Menschen einfach bedingungslos sie selbst sein dürfen.

LUV